Hausaufgaben nicht gemacht

Wieder eine kleine Geschichte, wie die eigentlich gleichen Situationen immer wiederkehren.

Wer hat als Schüler denn nie die Situation erlebt, ohne Hausaufgaben in der Schule zu sitzen. Man sank dann noch etwas tiefer unter den Tisch, als es eine betont lässige Sitzposition ohnehin gebot. Blickkontakt mit dem Lehrer wurde konsequent gemieden. Alles mit dem Ziel nur blos nicht aufgerufen zu werden, um die Lösung der Hausaufgaben zu präsentieren. Dass man durch oben beschriebenes Verhalten dem Lehrer unmissverständliche Signale sandte, die einen quasi direkt ins Verderben führten, hatte man in diesen jungen Jahren noch nicht durchschaut. Der letzte Notnagel vor einer peinlichen Bloßstellung war dann noch eine geniale Ausrede: "Ich hatte alles gemacht, aber heute Morgen hat unser Hund mein Heft gefressen." oder vielleicht gleich "Gerade als ich mich hinsetzen wollte, um die Aufgaben zu machen, wurde ich von Ausserirdischen entführt. Die haben mich gerade noch rechtzeitig vor der Schule wieder freigelassen, weil ich ihnen gesagt habe, dass ich der beste Freund von ET bin."


Da geht es dem Businessmann von heute doch deutlich besser. Er bekommt zwar auch Hausaufgaben. Der Chef erwähnt in der wöchentlichen Besprechung im Nebensatz, dass doch mal die Zahlen der vergangenen zehn Jahre vergleichend aufbereitet werden sollten. Auch der moderne Businessmann vergisst vielleicht mal so eine Aufgabe und hofft dann inständig beim nächsten Meeting, dass sich die Agenda so in die länge zieht, dass für das Zahlenthema leider keine Zeit mehr bleibt. Wenn dann aber doch die Reihe an ihn kommen sollte, hat der Businessmann einen super Trumpf im Ärmel. Er braucht keine Ausserirdischen oder Hunde. Er zückt sein Laptop, braucht zehn Minuten um alles anzuschliessen und zu starten und verkündet dann: "Irgendwie kriege ich hier kein Netzwerk. Die Präsentation habe ich natürlich nicht lokal." Die Reaktion von Chef und Kollegen: Wissendes Kopfnicken. "Nächster Punkt der Agenda, bitte"