Das Vorfeld


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März 2009

Karlchen soll ein Geschwisterchen bekommen, ungefähr Mitte Mai. Ob er sich darauf freut, lässt sich nicht so genau feststellen. Er spricht bisher nur wenige, einzelne Wörter, und das Wort "Geschwistrchen" hat er noch nicht in seinen Wortschatz aufgenommen.
Für Isa und mich beginnen wieder die Überlegungen, ob ich die Vätermonate nehme, ob ich es mir "leisten" kann.






Was heisst "leisten" in diesem Zusammenhang? Da ist natürlich die finanzielle Einbuße. Bei den meisten Freunden oder Kollegen blitzen immer gleich die Dollarzeichen (oder bei uns eher die Eurozeichen) in den Augen, wenn sie vom Elterngeld hören. Dass das eigentlich immer nur eine unvollständige Kompensation für den Gehaltsausfall in der Elternzeit ist, wird dabei oft übersehen. Also, die Vätermonate kosten, wegen des Gehaltsausfalls, sofern nicht die Mama in der Zeit arbeitet. Aber es ist auch klar, dass die Gelegenheit etwas mehr Zeit mit der Familie zu verbringen unbezahlbar ist, und bei vielen dürfte der finanzielle Aspekt nicht den Ausschlag geben.
Ein anderer Aspekt sind die Auswirkungen der Vätermonate auf die "Karriere" oder die Reaktionen der lieben Kollegen. Da kann man sich ja alles mögliche ausmalen. Da gibt es Kollegen, die einen Teil meiner Arbeit während der Vätermonate übernehmen müssen. Die könnten deshalb "not amused" sein. Da gibt es andere Kollegen, mit denen man vielleicht ab und zu eine fachliche Diskussion über die Zuordnung von Aufgaben hat, die könnten die Elternzeit als Argument "unter der Gürtellinie" verwenden. Da gibt es wieder einen Chef - das ist wegen eines Jobwechsels jetzt ein anderer als damals bei Karlchen - auch dessen Reaktionen sind wieder schwer einzuschätzen.


Mai 2009

Clara ist da. Und sie ist ja so süß und klein und lieb!
Also, jetzt oder nie. Ich tüte die Vätermonate ein. Sprche mit dem Chef - selbst Vater von vier Kindern - ,der mein Ansinnen unterstützt. Ich lege ihm meinen Plan dar, die Elternzeit nicht an einem Stück zu nehmen, sondern in zwei Blöcke á einem Monat aufzuteilen, um das Ganze möglichst firmenkompatibel zu machen. Ein Monat über Weihnachten, wo eh alles ruht wie der starre See aus "Stille Nacht", und ein Monat im März/April, weil ich da eine Lücke im Zeitplan verschiedener Projekte gefunden habe. - Alles ok, Chef unterstützt und bekundet seinen Neid.
Ich spreche zuerst mit den Kollegen, bei denen evtl. zusätzliche Arbeit hängen bleiben könnte, weil die Zeiten vernünftig gewählt sind und weil nicht alles bei einer Person landen würde, passt auch das.
Dann komme ich eines Abends nach Hause. Grosses Geschrei. Clara kreischt - ihre Stimme wächst ungefähr doppelt so schnell, wie ihr Körper, und der wächst schon schnell. Karlchen kreischt auch, wahrscheinlich weil ihm Claras Gekreische auf die Nerven geht. Isa hat die Nase auch voll, kreischt aber noch nicht. Da denke ich plötzlich, dass es manchmal doch auch ganz nett ist, morgens zu gehen und abends wieder zu kommen. Das senkt das Risiko einer Lärmschwerhörigkeit gewaltig. Aber es gibt kein Zurückmehr und insgesamt will ich auch nicht mehr zurück. Ich freue mich schon auf die Elternzeit.
Also, nachdem alle direkt Betroffenen - auch mit der Personalabteilung habe ich inzwischen ein Gespräch geführt - eingeweiht sind, verkünde ich bangen Herzens meinen Plan in einer grösseren Sitzung. Und siehe da, gelöste Stimmung, wieder öffentlich bekundeter Neid. Und jetzt schaun mer mal, wie es so weiter geht.

Wieder Mai 2009

 
Karlchen hat Glück. Karlchen hat Eltern, die die neuesten Tricks der Kindererziehung kennen. Sie kennen auch die aktuell angesagte Lösung des Problems: Wie machen wir dem kleinen Familienkönig die neue Familienkönigin schmackhaft? Diese Lösung besteht darin, dass das neue Geschwisterchen dem bisherigen Alleinregenten ein Geschenk mitbringt. Carla hat also Karlchen einen Werkzeugkoffer mit einem "richtigen" Akkuschrauber mitgebracht, den sie ihm gleich bei seinem ersten Besuch im Krankenhaus "überreicht" hat. Karlchen hat sich sehr gefreut und findet jetzt seine kleine Schwester ganz toll. Er alles bei, was er schon kann und weiss - ebenfalls noch im Krankenhaus gab es die erste Vorlesung über Bagger, Krane und andere schwere Baumaschinen. Carla ist sofort eingeschlafen, was wiederum für die Eltern ein Glück war.
 

Immer noch Mai 2009

 
Karlchen kommuniziert. Dabei beschränkt er sich nicht auf banales Reden, diesen Kanal nutzt er eher spärlich. Er singt zum Beispiel. Karlchen trällert die Melodie von "Es regnet, es regnet, ...", man sieht zum Fenster raus - tatsächlich, es regnet. Karlchen intoniert die Melodie von "Tuff tuff tuff die Eisenbahn" - ach ja, wir fahren gerade am Bahnhof vorbei. Eine andere häufig genutzte Form der Kommunikation sind bestimmte Gesten. Karlchen deutet mit dem Finger in seinen Mund; er hat Hunger. Ja, das ist nicht sehr aufregend. Aber es geht ja noch weiter. Karlchen patscht mit der rechten Hand neben seinem Teller auf den Tisch - Papa und Mama wissen, dass Karlchen seine Trinkflasche vermisst.
 

September 2009


Diese Verantwortungslosigkeit! Und das von einem namhaften Spielzeughersteller. Der mit den bunten Plastikklötzchen, die man aufeinander stecken kann. Aber von Anfang an. Karlchen findet die Kataloge des besagten Spielzeugherstellers ganz toll. Die sind besser als die meisten Bilderbücher. Da sind schöne Szenerien aufgebaut mit Tieren im Zoo oder auf dem Bauernhof, mit der Feuerwehr, die gerade ein Haus löscht oder der Polizei bei der Verbrecherjagd. Karlchen entdeckt immer wieder etwas spannendes auf den bunten Seiten. Doch dann, ich glaube es ist auf der letzten Seite, starrt in der plötzlich dieser "Mann" an. Es ist eigentlich kein richtiger Mann, aber Karlchen nennt ihn so. Es ist eigentlich ein Roboter, den man wohl auch programmieren kann; mit verschiedenen Sensoren und so weiter. Wahrscheinlich ein tolles Spielzeug - für Papa oder andere Kinder ab 16 Jahren. Für Karlchen ist es ein "Mann" mit irgendwie furchteinflößenden Augen, der ihn bis in seine Träume verfolgt.
Jeden Abend vor dem Einschlafen, nach der Gutenachtgeschichte fängt er plötzlich an vom "Mann" zu sprechen, deutet auf seine Augen - "Aue" - und sieht verängstigt aus. Dann ist einiges an Ablenkungskünsten erforderlich, um seinen Kopf wieder mit Bildern von Wiesen und Häschen oder anderen niedlichen Tieren zu füllen, die ihn nicht am Einschlafen hindern. Das geht nun schon seit einer Woche so, obwohl natürlich inzwischen die Lektüre des Bunte-Klötzchen-Katalogs gestrichen ist. Jetzt gibt es den mit den bunten Plastikmännchen. Da sind zwar auch seltsame Gestalten drin (Geister-Piraten oder so ähnlich), aber die machen bei weitem nicht den Eindruck auf Karlchen, wie der "Mann".

Wieder September 2009


Harry Potter 8, Die drei ??? Teil 257, Bibi Blocksberg 397 – alles nichts. Das eigentliche Highlight des Literaturjahres 2009 ist der neue Bobo 4. Die nervenzerfetzenden Geschichten von Bobo Siebenschläfer sind bei Karlchen der Renner. Ihn stört es auch nicht, dass insbesondere im neuesten, vierten Teil einige Brüche in den Geschichten sind, nur um das immer wieder gleiche Ende mit Gewalt zu erreichen: Bobo ist eingeschlafen. Da wurde Bobo gerade noch von seiner Siebenschläfer-Mutter befreit, weil er sich im Zimmer selbst eingesperrt hatte und schon fällt er an Ort und Stelle in einen komatösen Tiefschlaf. Karlchen fällt auch nicht auf, dass sich ebendiese Mutter im Laufe der Zeit deutlich verändert hat. War sie im ersten Band noch ein eher pummeliges Getier, zeigt sie im aktuellen Band an manchen Stellen eine recht knackige Figur, die allerdings meist von einer kittelschürzenähnlichen Kutte verhüllt ist. Martin gefällts, aber manche Mutter könnte sich da schon unter Druck gesetzt fühlen.