Januar 08

Kommentare zu diesem Blog

31.01.08

Isa hat wieder eine Mail mit Bildern von Karlchens letzten Heldentaten geschickt. Er hat seine alte Freundschaft zur Waschmaschine erneuert. Jetzt zieht er sich auch daran hoch und dreht dann an den Knöpfen und drückt auf die Tasten. Der Impuls gleich den mitgereisten Kollegen die neuesten Bilder zu zeigen ist sehr gross. Was ist in den letzten Wochen mit mir passiert, dass ich nun schon kaum mehr widerstehen kann jedem - wirklich jedem - ein Bild von Karlchen unter die Nase zu halten - ungefragt natürlich.

29.01.08

So, die erste Nacht ohne Bio-Wecker konnte ich trotzdem nicht durchschlafen. Entweder ist man schon so programmiert, dass man einfach so mal aufwacht, oder ich weiss auch nicht. Ansonsten ist es schon sehr komisch nach so langer Zeit plötzlich nur noch per 10 Minuten am Telefon und gemailten Bildern am Familienleben teilzuhaben.

27.01.08

Morgen geht es auf Dienstreise. Karlchen ahnt nichts und rackert sich den ganzen Tag ab, wie üblich. Ist ein richtiger Schwerarbeiter. Man lege sich mal flach auf den Bauch, robbe auf eine Wand zu und ziehe sich an derselben mit den flachen Händen hoch, während man mit den Zehen nachschiebt. Naja, ist schwer zu erklären, aber wenn man sieht was er da tut, weiss man, dass es tierisch anstrengend ist.
Ich packe also mit gemischten Gefühlen meinen Koffer. Einerseits freue ich mich auf Nachtruhe ohne Bio-Wecker und Abende mit den Kollegen und einem kühlen Bier. Andererseits möchte ich Isa und Karlchen auch nicht allein lassen.

26.01.08

Der erste wohl verdiente Samstag nach der Rückkehr ins Arbeitsleben. Und der wird gleich empfindlich gestört. Nicht durch irgendwelche Kindergeschichten. Nein. Es gibt die Fortsetzung der Rentengeschichte. Die Deutsch Rentenversicherung hat wieder Post geschickt. Den fleissigen Leuten dort ist eingefallen, dass man doch jetzt mal so richtig aufräumen könnte. Sie nennen das Kontenklärung. Sowas sei bisher noch nicht gemacht worden, und weil ich mich ja jetzt mal gemeldet habe, können man das ja auch gleich (kurz) machen. Ich soll doch einfach das beiliegende Formular ausfüllen - fünfseitig plus fünf Seiten Erläuterungen. Ausserdem soll ich doch mitteilen, ob während bestimmter Zeiten "versicherungsrechtliche Tatbestände vorliegen". Dabei soll ich die mehrseitigen Hinweise zu "erforderlichen Beweismitteln" beachten. Ach ja, meine Personenstandsdaten bitte auch noch bestätigen lassen und eine Kopie von Karlchensgeburtsurkunde bitt auch noch. Und natürlich bitte alles beglaubigt. Eine Steuererklärung ist Kinderkacke dagegen, womit wir wieder mitten im Thema dieses Blogs wären.

25.01.08

Die erste Arbeitswoche nach den Vätermonaten ist schon geschafft. Im Moment macht es schon wieder Spass. Die längere Abstinenz hat der Motivation durch Vorschub geleistet.
Karlchen hat die Woche auch kräftig genutzt und sein Projekt "Eroberung der Vertikalen" voran getrieben. Er zieht sich an allen möglichen Objekten (Sofa, Stühle, Hosenbeine, ...) in den Stand hoch. Manchmal hangelt er sich auch ein paar Schritte an ihnen entlang. Angeblich hat er sich schon einmal um seinen Laufstall gehangelt, was allerdings nicht vollständig bezeugt werden kann. Es besteht also auch die Möglichkeit, dass er zwischendurch mal eine kleine Abkürzung genommen hat. Dagegen spricht allerdings, dass das grösste Problem an der Geschichte das Beenden des Steh-Vorgangs ist. Natürlich gilt auch hier: "Runter kommen sie immer." Aber wie? Nur selten ist das ein kontrollierter Vorgang. Manchmal gibt es Gezeter oder Gejammer, wenn nach zehn Minuten immer noch kein Ausweg aus dem Stand in Sicht ist. Manchmal gibt es auch nur einen dumpfen Schlag und ein heulendes Karlchen. Manchmal führt der unkontrollierte Abstieg über einen Zustand, den man als Sitzen bezeichnen könnte, der aber von unserem Artisten nicht gewünscht zu sein scheint.

24.01.08

Und dann war da noch die Sache mit der Anerkennung der Kindererziehungszeiten für die Rente. Angeblich erst nach den Vätermonaten zu beantragen. Nur ein paar kleine Formulare einer Behörde ausgefüllt. Sowas macht der geistig völlig ausgedörrte Vätermonatler (siehe Headbanger-Kinderlieder; 17.01.08) ja gerne. Hat er auch schon vor ein paar Tagen gemacht und das ganze abgeschickt. Heute kommt also Post von der Deutschen Rentenversicherung. Der naive Martin denkt, super endlich mal eine Behörde, die richtig fix arbeitet und schon einen positiven Bescheid verschickt. Aber denkste, es handelt sich um eine Eingangsbestätigung. Die Herrschaften haben also meinen Brief schon geöffnet. Fortsetzung folgt ...



23.01.08

Normalität kehrt langsam wieder ein. Diese Richtung (Vätermonate -> Arbeitsalltag) geht schneller als umgekehrt. Die Umstellung auf die Pause war deutlich schwieriger in der Hinsicht, dass Isa und ich plötzlich jede Menge Aufgaben und Verantwortlichkeiten neu klären und einteilen mussten. Und das hat nur teilweise automatisch geklappt.

Habe heute ausserdem mal wieder schön nach dem Mittagessen beim Kaffee mit Kollegen über Autos gefachsimpelt - sehr entspannend (Hallo Chef, falls Sie den Blog auch lesen - Martin ist eine fiktive Figur!)

22.01.08

Es geht weiter, wie eigentlich auch der Montag war, von der Tante am Werkschutz abgesehen. Die richtigen Kollegen freuen sich, dass ich wieder da bin, und ich muss oft die Frage beantworten, wie es denn gewesen sei daheim und ob ich es wieder machen würde. Die Antwort variiert zwischen "gut" und einer ausführlicheren Information über die schönen, die anstrengenden und die Nerven aufreibenden Seiten der Vätermonate, wie ich sie erlebt habe.

Jedenfalls gab es keine wirklich negativen Bemerkungen und nicht mal den bissigsten Kollegen fällt ein richtig blöder Kommentar ein. Jedenfalls keiner, den ich nicht kontern könnte.

Und im Bullshit-Bingo hat sich auch nicht viel getan. Ich kann noch mitreden.

21.01.08

So, jetzt ist sie also vorbei die schöne Zeit. Der Wecker - nicht der Bio-Wecker - klingelt um 6:30 Uhr, während Karlchen friedlich weiter schläft. Der ganze Morgenablauf ist ungewohnt und es braucht drei Anläufe, bis die Krawatte weder auf Höhe der Hemdtasche endet noch bis zu den Knien hängt.

In der Firma begebe ich mich erstmal zum Werkschutz, um meinen Ausweis wieder freischalten zu lassen. Die freundliche Kollegin dort blafft mich freundlich an, was ich den wolle und überhaupt für zwei Monate sperren und überhaupt was das denn solle. Ich habe hilflos mit dem Schrieb von der Personalabteilung gewedelt und wollte schon beinahe zur Gleichstellungsbeauftragten rennen, einen Fencheltee trinken. Habe mich gerade noch gefangen und es ins rettende Büro geschafft.

20.01.08

Die Vorbereitungen auf den ersten Arbeitstag laufen. Wo war doch gleich der Zettel, mit dem ich meinen Firmenausweis wieder freischalten lassen kann (Das Trauma sitzt tief)? Und wo ist eigentlich mein Firmenausweis? Meine Aktentasche muss vom Staub befreit werden. Hoffentlich hatte ich darin keine Banane vergessen. Das ist mir mal in der Schulzeit passiert - Mandarine während der grossen Ferien in der Schultasche gelassen. Hab ich ein gebügeltes Hemd im Schrank? Die Anzüge waren auch noch in der Reinigung, die sind also ok.

Und, mein Ausscheider-T-Shirt ist auch fertig. Vätermonate-Ausscheider!

19.01.08

Der vorletzte Tag vor dem Schritt zurück ins Arbeitsleben - also ein Rückschritt?! Zeit, Bilanz zu ziehen. Das Wichtigste gleich vorweg:
Also was hat mir die Zeit daheim gebracht?

Ich habe das Gefühl, Karlchen sieht in mir inzwischen einen brauchbaren Mama-Ersatz. Das ist ein grosser Fortschritt im Vergleich zu der nur temporär erträglichen Notlösung, die ich vorher wahrscheinlich in seinen Augen war.
Was Isa angeht, hat uns die Zeit sicher voran gebracht. Man muss sich halt miteinander mehr auseinandersetzen, wenn man mal länger als nur zwei Urlaubswochen zusammen ist. Ausserdem habe ich jetzt ein viel klareres Bild, von den vielen Aufgaben, die jeden Tag auf sie warten. Ich denke, wenn in Zukunft mal wieder ein Meeting in der Firma fürchterlich langweilig und ätzend ist, werde ich mich auf dem Sessel räkeln, einen Keks essen, einen Schluck Kaffee trinken und mich trotz der Langeweile sehr wohl fühlen.
Für mich selber war es eine Zeit, in der ich manches machen konnte, was ich schon lange mal machen wollte.
Kurz: Ich würde es wieder machen.
Jetzt fragt sich ja nur noch, wie der Wechsel zurück zum Arbeitsalltag klappt.

18.01.08

Heute gab es nochmal ein echtes Highlight, das die Verarbeitung der Vätermonate sicher fördert - eine Stunde Krabbelturnen oder Krabblerturnen oder so ähnlich. Karlchen war schon einmal mit Isa da. Für mich war es das erste Mal.
Eingerahmt wurde die Stunde von den Begrüßungs- und Verabschiedungsrunden, bei denen jeweils schöne Lieder gesungen wurden. Da saß ich also in Mitten dieser ganzen Mütter und sang über Frösche, Enten und anderes Getier und fragte mich, ob das auf Dauer wirklich meine Welt wäre.
Zwischendrin bin ich mit Karlchen über die aufgebauten Hindernisse getobt. Immer in Acht, der leicht übermotivierten Großmutter nicht zu nahe zu kommen, die ihrer Enkelin Hula-Hoop-Kunststücke vorführte. Karlchen fand den bunten Hula-Hoop-Reifen toll.

17.01.08

Heute wurde mal wieder gesungen bei uns - von CD und auch live. Besonders gut gefällt Karlchen das Headbanger-Lied. Eigentlich heisst es "Brüderchen komm tanz mit mir"; wir haben es nach den folgenden Zeilen benannt:

Mit dem Köpfchen nick nick nick,
Mit den Fingerchen tick tick tick,
Einmal hin, einmal her,
Rundherum, es ist nicht schwer!

Wirklich schön ist auch "Jakob ist ein Zottelbär", besonders, weil ein Freund von Karlchen auch  Zottelbär - äh Jakob  heisst.

16.01.08

Die Eroberung der Vertikalen geht weiter. Ich sitze da gemütlich auf dem Sofa und sortiere Rechnungen (siehe Todo-Liste). Karlchen wittert unheimlich spannende Entdeckungen auf diesem unglaublich hohen Sofa und macht sich an den Aufstieg. Und tatsächlich! Schnaubend und schwitzend (ich hatte immer gedacht so kleine Babies würden nicht schwitzen) schafft er es sich hinzustellen (!) und auf das Hochplateau des Sofas zu sehen.
Diesmal gibt es aber kein stolzes Lachen, keine Kinderfreude über den erreichten Fortschritt. Nein, diesmal gibt es jämmerliches Geheul. Unser Ehrgeizling wollte ja rauf auf das Sofa und das schafft er dann doch noch nicht. Dass er steht, dass er sehen kann, was oben drauf ist, das reicht nicht und ist auch überhaupt nichts wert. Tja, auch Erfolg ist relativ.

15.01.08

Die Sache mit dem Laufstall (oder -gitter - dabei kann Karlchen doch noch gar nicht laufen!) hat sich fast erledigt. Karlchen erobert ja jetzt fleissig die Vertikale, das heisst er klettert auf alles, was er erreichen kann. Papa liegt auf dem Boden - Karlchen macht sich auf, ihn zu überqueren. Eine Stufe an der Terrassentür, schon liegt Karlchen darauf. Eine Kunststoffbox mit Deckel - Karlchen erklimmt sie. Und kommt nicht mehr runter.

Die Box ist vielleicht 30cm hoch. Und Karlchen ist wirklich locker rauf geklettert. Aber von oben sieht es ja immer anders aus als von unten - höher. Der Weg zurück ist also weit weniger klar als rauf. Karlchen probiert und probiert. Aber die Kiste hat die gleiche Funktion wie sein Laufgitter, nur ohne die politisch unkorrekten Stäbe, und mit 0,25 statt 2 Quadratmetern. Den Laufstall können wir also gleich wieder abbauen, oder?

14.01.08

Ich muss auch von der grossen Freiheit entwöhnt werden. Es sind ja nur noch wenige Tage bis der Arbeitsalltag wieder beginnt. Da geht einem so manches durch den Kopf.

Wie oft habe ich allen möglichen Leuten erzählt, dass ich mich auf die Elternzeit freue, weil es ja auch eine einmalige Möglichkeit sei. Wann könne man schon mal eine längere Zeit am Stück mit der Familie verbringen, Abstand vom Arbeitsalltag gewinnen und manche Dinge tun, für die sonst nie Zeit war. Und jetzt? Jetzt soll die einmalige Chance vorbei sein. Habe ich sie genutzt oder verstreichen lassen?

Vielleicht etwas hochtrabend diese Fragen. Aber es ist doch klar, dass man nach so langer Zeit daheim keine privaten Baustellen der Art "Man müsste dringend mal ..." mehr offen haben sollte - wenigstens mit Betonung auf privat und dringend. Also, wird die Todo-Liste, die ja am Anfang der Elternzeit schon für Stress gesorgt hat, wieder rausgekramt und erweitert, damit auch ja alles noch erledigt werden kann.

Ebenfalls klar ist aber natürlich auch, dass man nach zwei Vätermonaten absolut tiefen entspannt sein muss. Da darf von Arbeitsstress nix mehr übrig sein. Also, jetzt noch schnell auf die letzten Tage entspannen - aber flott!

13.01.08

Die Wiedereingliederung nach der Elternzeit geht weiter. Diesmal allerdings nicht für mich, sondern für Karlchen. Nachdem er jetzt zwei Monate Extrem-Bespassung hatte, weil ja fast immer zwei Eltern da waren, die sich gegenseitig im Bespassen überboten haben, kommen ja bald wieder andere Zeiten. Isa macht sich jedenfalls schon gewaltige Sorgen, dass die Umgewöhnung auf nur eine Mama, die auch mal was anderes zu tun hat, schwierig werden könnte.

Da trifft es sich doch gut, dass jetzt der Christbaum wieder weichen und Platz für den Laufstall machen musste. Derselbige wurde nämlich über Weihnachten abgebaut, was Karlchen also neben Extrem-Bespassung auch völlig unbeschränkte Bewegungsfreiheit verschaffte. Jetzt ist das Laufgitter also auch wieder da. Über die politisch richtige Bezeichnung (ist ein Stall wirklich nur für Tiere) mag man sich streiten, Karlchen hat sich jedenfalls gefreut, seine Spielwiese wieder zu haben - zuerst. Nach erschreckend kurzer Zeit war der Reiz des Altbekannten verflogen und grosses Gebrüll begann. Seitdem entwöhnen wir Karlchen von der grossen Freiheit.


Der Autor
Der Autor dieses Blogs ist selbst in Elternzeit. Die Akteure sind dennoch frei erfunden und haben höchstens zufällige Ähnlichkeit mit real existierenden Personen.

Die Akteure
Isabella (Isa) und Martin sind seit ungefähr drei Jahren verheiratet. Im Februar 2007 wurde ihr Sohn Karl Friedrich (Karlchen) geboren.
Isa, die Abteilungsleiterin in einer grösseren Firma war, arbeitet seit Karlchens Geburt nicht mehr.
Martin arbeitet bei einem grossen Konzern. Nachdem 2007 das Elterngeld in Deutschland eingerührt wurde, das Paare besonders fördert, bei denen Mutter und Vater in Elternzeit gehen, hat er sich entschieden auch die sogenannten "Vätermonate" zu nehmen.
Karlchen ist das alles ziemlich wurscht. Er möchte essen, schlafen und Spass haben - ungefähr in der Reihenfolge.

12.01.08

Schön war sie, die erste Weihnachtszeit mit Karlchen. Jetzt wird auch bei uns der Christbaum wieder abgeräumt und Karlchen macht ähnlich grosse Augen, wie an Weihnachten, als er ihn zum ersten Mal gesehen hat.
Ich meine, das muss man sich mal vorstellen. So ein Kind lernt ja schnell und versteht auch viel. Er macht also die Erfahrung, dass das, was seine Eltern so den lieben langen Tag tun meist irgendeinen Sinn ergibt. Sie verschwinden in der Küche, klappern dort herum und kommen mit einer Schüssel Brei oder einer Milchflasche zurück. Manches ist nicht so einfach zu durchschauen, z. B. warum Papa immer vor diesem Kasten mit dem bunten Bild sitzt und auf diese kleinen schwarzen Tasten drückt. Aber auch daran hat sich Karlchen gewöhnt. Er hat schon die Erfahrung gemacht, dass seine Eltern halbwegs vernünftig sind. Und plötzlich! Da geht der Papa auf die Terasse und holt einen abgesägten Tannenbaum ins Wohnzimmer. Karlchen denkt sich: "Aha?!". Dann wird der Baum aufgestellt und es folgt eine längere Debatte, welche Seite nun die schönste sei, und wie der Baum zu platzieren sei. Karlchen denkt: "Au Backe!". Dann werden auch noch bunte Sachen, Sterne, Figuren und anderer Tünnes an den Baum gehängt. Als Krönung folgen noch Kerzen, obwohl doch jeder weiss, dass ein trockener Tannenzweig brennt wie Zunder. Da denkt sich Karlchen: "Werden Sie wohl jemals wieder in der Lage sein, in die Küche zu gehen und mit einer Schüssel Brei zurück zu kommen?"
Sie waren in der Lage. Karlchen hat sich inzwischen also an den Baum gewöhnt und glaubt, dass auch der wohl irgendeinen Sinn haben wird. Und dann wird er plötzlich wieder einfach so mir nichts dir nichts abgeräumt und raus geworfen. Was soll Karlchen bitte jetzt denken?

11.01.08

Sir Karlchen Hillary hängt an der Schlüsselstelle dieser grossartigen Kletterpartie fest. Beide Arme haben einen festen Griff, aber für die Füsse findet sich kein wirklich passender Tritt. Unser Held weiss, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Wenn der Kletterer lange in einer so ungünstigen Position verharrt, verlassen ihn ganz langsam die Kräfte und er kann die besten Griffe nicht mehr halten. Hinzu kommt die Angst, die Angst vor dem Scheitern an dieser Herausforderung, die Angst vor der Schwerkraft, die immer stärker zu werden scheint.
Doch Karlchen ist ein Ausnahmetalent. Er setzt zu einem beherzten, sehr dynamischen, letzten Versuch an. Er setzt alles auf diese eine Karte. Und er wird mir Erfolg belohnt. Er befreit sich aus dieser schwierigen Lage. Sein Schwerpunkt ist endlich wieder über seinen Füssen. Aber kann nur kurz entspannen bevor der letzte entscheidende Zug kommt. Eine alte Kletterer-Regel besagt ja, dass man meistens etwas falsch gemacht hat, wenn die Füsse über dem Kopf sind. Meistens! Karlchen hängt kurz kopfüber und hat es dann geschafft.
Was für eine Erleichterung, was für eine Freude. Er hat es geschafft, ganz alleine in seine Kinderwagenschale, die am Boden stand, zu klettern. Er fühlt sich anscheinend wie Sir Hillary nachdem er den Mount Everest bezwungen hatte.

10.01.08

Die "Convention" unserer Abteilung, zu der ich quasi als Gast eingeladen bin, ist tatsächlich in mehrerlei Hinsicht eine Wiedereingliederungsmaßnahme.
Man trifft die Kollegen aus aller Welt wieder, und siehe da sie kennen meinen Namen noch. Da bin ich wohl doch nicht so lange daheim gewesen.
Viele fragen eher herausfordernd: "Na, wie lange bist Du denn noch im Vaterschutz?". Die Antwort, dass ich übernächste Woche wieder zurück sei, nimmt dem Frage den herausfordenden Wind aus den Segeln. Der Neidfaktor meiner Antwort entspricht höchstens noch dem eines Kurzurlaubs; insbesondere nach Weihnachten, wo eh alle erst Urlaub hatten. Da bin ich vom Beginn meiner Vätermonate anderes gewohnt.
Auch mein Chef hat mich zu dem Meeting nicht nur eingeladen. Schon auf dem Weg vom Auto zum Auditorium - ich habe ihn zufällig auf dem Parkplatz getroffen - weiht er mich in die neuesten Aufträge ein, die ich nach meiner Rückkehr zu bearbeiten habe. Da waren sie also wieder meine Sorgen. Naja, aber jedenfalls scheine ich auch für ihn in dieser Hinsicht nicht mehr unantastbar zu sein.

09.01.08

Die Vätermonate neigen sich langsam aber doch dem Ende zu, was meinen lieben Arbeitgeber veranlasst, sich über meine Wiedereingliederung Gedanken zu machen. Jedenfalls kam Post, dass ich auf meinen Wunsch in der alten Abteilung wieder beschäftigt würde, wie hoch mein Gehalt sei (genauso wie vorher), und dass sich sonst nichts ändere. Ausserdem könne ich mit beiliegendem Formular meinen Ausweis beim Werkschutz wieder freischalten lassen. Sogar daran haben sie gedacht.
Hört sich alles so an, als wäre ich Jahre weg gewesen.
Da ist es doch gut, dass sich wenigstens mein Chef an mich erinnert hat und mich zur alljährlichen "Convention" unserer Abteilung eingeladen hat.

08.01.07

Karlchen möchte als Kompaniechef jetzt auch an der normalen Truppenverpflegung teilnehmen. - Ah, jetzt lassen wir diesen Bundeswehrquatsch wieder. Ist ja doch albern.
Jedenfalls funktioniert es kaum mehr, ihn am Boden spielen zu lassen, während Isa und ich essen. Immer häufiger liegt er dann unter unserem Glasesstisch und kräht, den Blick fest auf jeden Bissen gerichtet, den wir uns in den Mund schieben.
Andererseits kann er nicht sitzen. Der Hochstuhl, der schon lange neben dem Tisch steht, bleibt also noch leer. Und er hat nur zwei Zähne - sehr schöne Zähne, auf die Karlchen sehr stolz ist. Aber die sind beide unten. Der Verzehr vieler Leckerbissen scheitert also schon an den mangelnden Kauwerkzeugen. Oder: "Keine Zähne, keine Kekse".

07.01.08

Montag, der 07.01.08
Lage: 4 (unter Berücksichtigung des Wochenendes und der Tatsache, dass ich Mittwoch bis Freitag zu einer Tagung in die Firma gehe). Vier ist deutlich weniger als Hubschrauberdrehzahl.

Mancher der geneigten Leser wird sich jetzt sicher fragen: "Lage, Häää? Hubschrauber, wieder häää?".

Tja, wohl nicht beim Bund gewesen! Da muss man als Wehrdienstleistender immer seine Lage, sprich die Tage bis zum Ausscheiden, parat haben. Wer die Zahl auf Nachfrage nicht sofort nennen kann, der zahlt was auch immer. An den letzten zehn Tagen schmeisst der Ausscheider dann ständig mit Blechschildern um sich, auf denen die aktuelle Lage geschrieben steht. Das macht Krach und ärgert neben den Kameraden, deren Lage noch die Grössenordnung der Drehzahl eines Hubschrauberrotors hat, auch den Kompaniechef und den Spieß.
Ich weiss nicht so recht, woher ich jetzt schon wieder diese Assoziation habe. Dabei ist doch in der Elternzeit alles anders. Hier schmeisst der Kompaniechef ständig (Spiel-)Zeug rum. Und der Spieß (im Bundeswehrjargon gerne "die Mutter der Kompanie" genannt) hat ganz andere Probleme als sich um den ordentlichen Schuhputz seiner Mannen zu kümmern.
Und ich als Ausscheider freue mich doch gar nicht so auf´s Ausscheiden!
Kurve nochmal gekriegt?

06.01.08

Nochmal zu Karlchens Entwicklung vom Brei- zum Brotesser. Inzwischen bekommt er von Isas und meinem Abendessen immer ein Stück Brot. Und er hat inzwischen eine tolle Technik, dieses Brot zu essen, entwickelt, die ich demnächst mal bei McDonalds ausprobieren werde.
Man greife das Brot an einem Ende und lutsche das freie Ende eifrig ab. Eifrig ablutschen beinhaltet auch eifrig anschlabbern, so dass auch der in der Hand befindliche Teil vollständig durchtränkt und aufgeweicht wird. Unter erhöhter Temperatur und hohem Druck - beides ist in Karlchens Kinderhand gegeben - verwandelt sich das Brot zwar nicht in einen Diamanten, aber in einen schönen Brei. Der hohe Druck in der Hand bewirkt auch, dass dieser Brei, sobald er die richtige Konsistenz hat, zwischen den Fingern durch gepresst wird. Karlchen steckt dann also die geschlossene Faust in den Mund und lutscht den Brei, der zwischen seinen Fingern hervor quillt, ab - sehr sauber, sehr ästhetisch und auch für die feinste Tischgesellschaft geeignet.

05.01.08

Eine weitere Randerscheinung der Festivitäten rund um die Weihnachtszeit, sind häufige Autofahrten unterschiedlicher Dauer. Jedesmal stellt sich dabei die Frage, wie der Nachwuchs am besten auf einer angenehmen Betriebstemperatur gehalten werden kann. Da gibt es dann verschiedene Varianten, z. B. für längere Fahrten: Das Kind nur relativ leicht anziehen, mit einer Decke zugedeckt und bemützt ins Auto setzen und später, wenn die Heizung auf Touren ist, Decke und Mütze entfernen. Eine Variante für kürzere Fahrten ist: Kind mit Jacke und Mütze für kalte Temperaturen ausrüsten und gar nicht erst darauf warten, dass die Heizung im Auto warm wird. Diese Variante hat entscheidende Nachteile, wenn die kürzere Fahrt doch länger wird, z. B. weil man sich verschätzt hat. Dann sitzen nämlich auch Mama und Papa trotz Klimaautomatik in einem eiskalten Auto und frieren sich den A.... ab.

04.01.08

Die Weihnachtsferien sind ja bei vielen Familien von diversen Besuchen bei Verwandten und Familie geprägt. Immer wieder lustig zu beobachten, sind dabei die hilflosen Versuche der Gastgeber, ihre Wohnzimmer kleinkinder-sicher zu machen. Eine leere Pappschachtel vor dem Videorekorder empfindet Karlchen eher als Herausforderung denn als Hindernis. Jedenfalls stürzt er sich mit Gebrüll - soweit ihm das möglich ist - zuerst auf die Schachtel und, nachdem diese zur Seite geräumt ist, auf den besagten Videorekorder. Wie sich das mehrmalige Einführen einer schlabbrigen Kinderhand in den Kasettenschacht auf die Mechanik des nicht mehr ganz taufrischen Geräts ausgewirkt hat, ist nicht überliefert.

03.01.08

Das Leben eines Duplo-Lego-Mannes ist sicher in den wenigsten Fällen leicht. Aber auch Duplo-Lego-Männer werden von den Schlägen des Schicksaals unterschiedlich hart getroffen. Manche werden von unwissenden Tanten an 15-jährige Mädchen verschenkt und landen folglich unberührt in einem gemütlichen Karton im Keller, wo sie ein friedliches langes Leben führen. Andere werden von Karlchen am Kopf aus ihrer Schachtel gerissen, kurz beäugt und dann kopfüber in den Mund gesteckt.
Karlchen ist also zum Menschen-(oder Männchen-)Fresser geworden. Die orangenen Füsse des Duplo-Sanitäters ragen aus seinem Mund, während er vergnügt quietschend durch´s Wohnzimmer robbt. Vielleicht hätten die Leute von Duplo lieber einen Taucher in die Packung getan - mit Atemgerät.
Ich verstehe jedenfalls, dass ich lange einen schwerwiegenden Fehler gemacht habe. Bisher dachte ich immer, die Altersangabe auf den Spielzeugpackungen (für den Duplo-Sanitäter ab zwei Jahre) sei zum Schutz der Kinder gedacht (Kleinteile, die verschluckt werden können!). Jetzt habe ich endlich kapiert, dass es wahrscheinlich eher um den Schutz der Spielzeugmännchen vor aggressivem Kinderspeichel und spitzen Kinderzähnen geht.

02.01.08

Einer der Vorteile, die die Vätermonatler genießen, ist der, so manchen wichtigen Entwicklungsschritt des Sprösslings live mitzuerleben. Während der arbeitende Vater erst abends von den Erfolgen des Tages erfahren könnte, wenn er nicht viel zu müde wäre, den Ausführungen seiner Frau auch nur bis zur zweiten Biegung zu folgen.
Gut, der 02. Januar ist ein Tag, an dem vielleicht auch Nicht -Vätermonatler im Urlaub sind. Dennoch hätte Karlchen heute fast einen sehr wichtigen Schritt in seiner Entwicklung zum Allesfresser (Ich glaube, Menschen sind auch Allesfresser, oder?) gemacht. Nach dem Schritt vom Milchtrinker zum Breiesser, der freilich schon eine Weile zurück liegt, sollte heute die Stufe des Brotessers erklommen werden.
Ohne grosse Vorplanung - also spontan - aber doch feierlich, wird also Karlchen beim Abendessen ein Stück Brotrinde überreicht, weil er so gierig jeden unserer Bissen verfolgt hat (Ja, er hatte vorher schon seinen Abendbrei bekommen!). Karlchen schaut also etwas ungläubig und schnappt sich dann schnell den Happen. Er kann wohl immer noch nicht glauben, dass ihm das gute Stück nicht gleich wieder aus den Händen gewunden wird. Deshalb hält er es krampfhaft umklammert, als er ein Ende in den Mund schiebt und anfängt zu lutschen.
Was dann kommt, ist der Grund für das "fast" vor dem sehr wichtigen Schritt. Das Stück Brot in der geschlossenen Faust wird so gründlich eingespeichelt und voll gesabbert, dass in Karlchens Mund kaum mehr Brot, sondern vielmehr Brei ankommt. Aber sein Gesicht spiegelt doch alles Glück der Welt wieder, weil er ja jetzt doch schon richtig mitessen darf.

01.01.08

So, jetzt soll ich also schon wieder bloggen? Wie es scheint, gibt es so ungefähr ein paar Leute, die meine Geschichte verfolgen. Doch leider scheint niemand auf die Idee zu kommen, die frohe Kunde, dass es so vergnügliche Geschichtchen gibt, weiter zu tragen. Also:

Macht Euch gute Vorsätze für 2008
Erzählt Euren Freunden, Verwandten und Kollegen von dieser Seite!